Ohne Integrator erhält man ein di/dt-Signal statt des Stroms selbst.
Das bedeutet:
- 1. Messungen im Zeitbereich (Wellenformen, Effektivwert (RMS), Energie) werden vollständig verfälscht
- 2. Das Signal kann nur für Analysen im Frequenzbereich verwendet werden (z. B. für Oberschwingungen und hochfrequente Transienten)
- 3. Es kann nicht für herkömmliche Anwendungen wie Energiemessung, Schutz oder Überwachung verwendet werden
Mit anderen Worten: Ohne einen Integrator kann eine Rogowski-Spule nicht als herkömmlicher Stromsensor funktionieren.
Ein Integrator ist zwar fast immer erforderlich, es gibt jedoch Ausnahmen:
- 1. Geräte mit integriertem Integrator
Viele moderne Leistungsmesschips (ADE7953, ATM90E32AS), Energiezähler (iEM3555, MD-P1-3-RC-16), Leistungsanalysatoren (ABB M4M, PW3390) und DSP-Prozessoren mit integrierten digitalen Integratoren (ADS131E08, TMS320F280049, MCP3910, STM32G4).
- 2. Spezialanwendungen
Bestimmte Anwendungen zur Erkennung von Motorfehlern oder zur Prüfung von Stromimpulsen konzentrieren sich ausschließlich auf hochfrequentes di/dt und können das Rohsignal direkt nutzen.
- 3. Fälle von „Selbstintegration“
Wenn die Impulsbreite deutlich kürzer als die Zeitkonstante der Spule ist, weist die Spule selbst näherungsweise integrierende Eigenschaften auf. Dies ist jedoch ein sehr spezieller Anwendungsfall.